Interview mit Tanja Schurkus
Für den Autorenkreis Quo Vadis, dem ich seit einigen Jahren angehöre, habe ich die Autorin Tanja Schurkus zu ihrer neu erschienenen Romanbiographie »Matthias Claudius« befragt. Seit gestern ist es online. Es ist ein schönes Interview geworden, dass hoffentlich Spaß auf ihr Buch macht!
Auszüge aus dem Interview:
Vor wenigen Tagen ist die Romanbiographie »Matthias Claudius« von Tanja Schurkus erschienen. In diesem Interview spricht die Autorin über ihre Faszination für Claudius, Schlammschlachten und Bälle aus der Zeit des Empire…
Die meisten kennen Claudius’ Gedicht (oder vielmehr Abendlied): Der Mond ist aufgegangen. Hat sich deine Faszination für Matthias Claudius daran entzündet?
Ich beschäftige mich schon länger Zeit mit der Geschichte des französischen Empire. Mich fasziniert das Lebensgefühl dieser Epoche. Als ein Kollege auf mich zukam, weil der Brunnen Verlag eine Romanbiografie über Matthias Claudius auflegen wollte, war ich gleich begeistert. Auch in seinem Lebenslauf zeigt sich der unglaubliche Umbruch von der Ständegesellschaft des Ançien Régime zum Individualismus unserer Gegenwart. Aus seinem Glauben heraus nahm Claudius zu diesen Umwälzungen seine ganz eigene Position ein, die mir ein vielfältiges erzählerisches Spannungsfeld eröffnete.
Die Rahmenhandlung setzt im Jahre 1813 ein. Die Franzosen hielten Hamburg (und etliche andere Regionen des heutigen Deutschlands wie Bremen, Lübeck, Königreich Westphalen) viele Jahre ›besetzt‹ und schürten damit den Unmut der Bevölkerung. Was reizt dich an der Darstellung dieser Zeit?
Die Antwort steckt bereits in der Frage: Die Epoche wird in Deutschland meist sehr einseitig dargestellt, nämlich als Zumutung. Dabei bedeutete sie auch einen Modernisierungsschub in der Gesellschaft und der Gesetzgebung. der für uns heute noch spürbar ist. Viele deutsche Herrscher suchten aus Kalkül das Bündnis mit Napoleon: Sie hatten sich aus der Oberhoheit Habsburgs gelöst und brauchten einen Garanten für ihre neue Souveränität. Aber auch Preußen sah seine Zeit gekommen, die Vorherrschaft in Deutschland für sich zu beanspruchen. Diese Rivalitäten führten zu den Kriegen von 1805, 1806 und 1809. Ein amerikanischer Historiker nannte diese Formierungskonflikte, die in der Völkerschlacht von 1813 gipfelten, “the German Civil Wars”. Hierzulande kennt man nur Napoleon mit seinem Größenwahn als Auslöser der Konflikte, dieser Blick auf die Ereignisse war daher neu für mich. Denn damit stellt sich auch die Frage nach den Alternativen zu der Nationwerdung, eine Frage, die in der teleologisch ausgerichteten deutschen Geschichtsschreibung selten behandelt wird. So steht die gesamte napoleonische Ära bei uns weitgehend im publizistischen Abseits, ist aber gleichzeitig sehr emotional besetzt – für einen Schriftsteller eine ungemein reizvolle Konstellation. Die Brüche einer Gesellschaft (oder einer Biografie) zu thematisieren, die Wunden und die Verwundbarkeit aufzuzeigen, sind für mich die herausforderndsten Aufgaben beim Schreiben, da man sie dann auch selbst aushalten muss.
Wie stand Matthias Claudius letztlich zu den Franzosen und zu den Dänen, bis 1813 lebte er in Wandsbeck, das damals zu Dänemark gehörte?
Das unterteilt sich in die Franzosen als Volk und den Franzosen als pars pro toto für die Protagonisten der Revolution. Da Claudius die adelsdominierte Ständegesellschaft als gottgewollt ansah, war die Revolution für ihn eine Sünde und für ihre Verfechter – auch auf deutschem Boden – hatte er wenige Sympathien. Von dem Feindbild des Franzosen, das von der nationalen Bewegung und ihren Dichtern zusehends propagiert wurde, wollte er aber nichts wissen. Er drückt es selbst so aus: “Bös muß man freilich von keiner Nation sprechen
Tolles Gewinnspiel zur Anthologie „Drei Tagesritte vom Bodensee“!
Heute gibt es Neuigkeiten zur Anthologie »Drei Tagesritte vom Bodensee«. Rechtzeitig zur Historica 2011 in Singen am Hohentwiel gibt es ein Gewinnspiel, bei dem es sich lohnt, mitzumachen. Der Autorenkreis verlost 5 Exemplare der Anthologie „Drei Tagesritte vom Bodensee“!
Hier die Frage:
Burchard III. von Schwaben und seine Ehefrau Hadwig gründeten um das Jahr 970 ein Kloster auf dem Hohentwiel, dem Hausberg der heutigen Stadt Singen. Wir wollen nun wissen, welchem Heiligen das Ehepaar das Benediktinerkloster auf dem Hohentwiel weihte? Tipp: Um den gesuchten Heiligen ranken sich viele Legenden. Eine davon ist die des Drachentöters….
- Hl. Barbara
- Hl. Georg
- Hl. Katharina
Auf dem Fresko (um 1437) sind Burchard III. von Schwaben und seine Ehefrau Hadwig zu sehen. In ihrer Mitte befindet sich eine Kirche (Symbol für die Klostergründung).
Der Einsendeschluss ist der 09.11.2011! Wer die Lösung weiß, schickt diese an folgende Email Adresse: gewinnspiel@autorenkreis-quovadis.de *
Zur Quo Vadis Website mit den Teilnahmebedingungen* !
Publikumsliebling gesucht!
Auf der Jagd nach der besten Kurzgeschichte aus der Anthologie "Drei Tagesritte vom Bodensee" stiften der Gmeiner-Verlag und die Stadt Singen einen Publikumspreis. Die Verleihung dieses Preises findet am 09. November auf der Historica des Autorenkreises Quo Vadis in Singen statt.
Sie als Leserinnen und Leser können abstimmen, welche der historischen Kurzgeschichten Ihnen am besten gefällt. Stimmen Sie ab!
Unter den Einsendungen werden u.a. zwei Buchpakete aus dem Gmeiner-Verlag verlost!
Einsendungen bis zum 10. November 2011 werden berücksichtigt!
Viel Glück!
Neue Rezension zur Anthologie "Drei Tagesritte vom Bodensee" erschienen
Im Südkurier erschien am 30.09. diese Rezension zur Anthologie "Drei Tagesritte vom Bodensee":
Braten und Birnentörtchen
Die Anthologie „Drei Tagesritte vom Bodensee“ begibt sich in eine vielseitig erzählteVergangenheit
Man könnte den Band als Einführung in die Gattung belletristischer Literatur verstehen, deren Gegenstand im weitesten Sinne die Historie liefert. Besser noch: als Appetitmacher. „Drei Tagesritte vom Bodensee“ versammelt die verschiedensten Varianten dieser Literaturabteilung und ergibt im Endeffekt ein abwechslungsreiches Leseerlebnis: Beginnend mit historischen Texten stehen historisierende Kurzgeschichten neben den knappen Erzählungen, die Dichtung und Wahrheit in den Lebensläufen historischer Persönlichkeiten verquicken. Die Geschichten um die Geschichte rund um den Bodensee und bis über die Grenzen des Hegaus hinaus heben denkbar früh an: Mit der Steinzeit geht es los.
Doch zunächst sind es die großen Literaten, die mit ihren Eindrücken anlässlich ihrer Bodenseebesuche zu Wort kommen. Besonders beeindruckend Michel de Montaigne, der sich auf Durchreise gen Italien im Konstanzer „Adler“ schlecht untergebracht fühlt und aufgrund „barbarischer alemannischer Willkür und Anmaßung“ gar vor Gericht geht, was ihn jedoch nicht grundsätzlich gegen sein Gastland aufbringt.
Mit erstaunlicher Aufgeschlossenheit würdigt er unmittelbar darauf durch einen Mitreisenden die Gastronomie rund um den See. Gar nicht genug kann er, der Franzose, kriegen von den Gaststuben und Speisen, die ihm kredenzt werden: Brot, diverse Suppen, Fisch, Braten bis hin zu Birnentörtchen. „Wir haben nie zuvor so delikate Gerichte gegessen, wie sie dort gang und gäbe sind“, ist zu lesen. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
Den seltsamen Vogelkäfig, den er in der „Krone“ in Lindau an der Decke angebracht sieht, sowie die kulinarischen Beschreibungen greift Constanze Wilken auf, um daraus in „Eine Qittensuppe für Monsieur de Montaigne“ eine hübsche Geschichte zu machen, wie Monsieur den „Kronen“-Wirt mit List und Tücke dazu bringt, einen armen Studenten als Schwiegersohn willkommen zu heißen. Constanze Wilken gehört dem „Quo Vadis“-Autorenkreis an, der sich dem historischen Roman verschrieben hat und der im kommenden November in Singen das Autorentreffen „Historica“ veranstaltet (s.a. Infokästchen). Auch dafür ist die Anthologie gedacht, wie die beiden Herausgeber Barbara Grieshaber und Siegmund Kopitzki in ihrem aufschlussreichen Vorwort anmerken. So sind auch zehn der besten Beiträge des „Quo Vadis“-Kurzgeschichtenwettbewerbs im Band abgedruckt, von eher unbekannte Autorinnen und Autoren, deren Protagonisten im Gegensatz dazu bereits einen Namen haben.
In der düsteren Geschichte von Annette Amrhein ist Gottfried Keller gerade bei der Überarbeitung seines „Grünen Heinrich“, der Heiler Franz Arnold Mesmer und Hermann Hesse tauchen gar in mehreren Geschichten auf. So auch Goethe, der im Hegau an seinem „Faust“ schreibt. Angeregt wird der alte Lüstling durch die schöne Dorothea, die ihm, so fantasiert Alexandra Guggenheim mit respektlosem Witz, als Vorbild seines Gretchens dient.
Manchmal sind es jedoch die namenlosen Heldinnen und Helden, die die spannendsten Geschichten liefern. Etwa die Erzählung der im 18. Jahrhundert lebenden Josefina, der geplagten Ehefrau eines Taugenichts, der das ganze Geld beim Lotteriespiel durchbringt und sein verdientes Ende findet. Ebenso die über einen anonymen Wilderer in Angeline Bauers „Kaltes Land“, dessen wahre Protagonistin eine Bärin ist. Die Vielfalt des Erzählten ist erstaunlich: Besagte Steinzeit wird heraufbeschworen, eine tragische Liebesgeschichte stammt aus dem römisch besetzten Helvetien, als Hexen gebrandmarkte Frauen werden zu heimlichen Heldinnen.
Eine Hexe ist auch Christoph Kellers Protagonistin in „Erika“, eher heiter angelegt, wenn auch mit makabrem Einschlag. Die Palette reicht von abgründig, wie etwa Peter Erfurts „Konstanzer Blutnacht“, bis hin zu unerwarteten Formen der historischen Erzählung. Hermann Kinder lässt in „Defektes Material“ ein virtuelles Wesen aus einer hoffentlich fernen Zukunft einen satirischen Blick auf uns Fleischeswesen werfen. Hilfreich ist auch, dass in manchen Geschichten wie der über die „Geburtsstunde des Doktor Mabuse“ von Horst Bosetzky kleine Anmerkungen am Schluss des Textes historische Zusammenhänge herstellen.
Gute bis sehr gute Kostproben haben Grieshaber und Kopitzki zusammengestellt, die Appetit machen, sich vielleicht doch noch einen Historienschinken einzuverleiben.
Grieshaber/Kopitzki (Hg.): „Drei Tagesritte vom Bodensee“. Historische Geschichten. Gmeiner-Verlag, Meßkirch. 420 Seiten, 12,90 Euro
Drei Tagesritte vom Bodensee
Die Anthologie zur Historica 2011 in Singen des Autorenkreises Quo Vadis
Rund um den See
Das Gebiet rund um den Bodensee gilt heutzutage als eine der schönsten und abwechslungsreichsten Regionen Europas. Dass der Weg dorthin steinig und schwer war, lassen die Kurzgeschichten der Autoren in dieser Anthologie erahnen. Sie erzählen von historischen Persönlichkeiten, die im Umkreis de s Bodensees – bis zu drei Tagesritte vom See entfernt – gelebt oder gewirkt haben. Von der Steinzeit bis hin zum Vorabend des Ersten Weltkrieges werden Episoden aus ihrem Leben ebenso spannend wie abwechslungsreich in Szene gesetzt.
Meine Geschichte “Sohn des Mars” erzählt von Liebe, Verrat und Tod. In den Wirren des Vierkaiserjahres führte A. Caecina Alienus auf Befehl des A. Vitellius, der gegen G. Sulpicius Galba opponierte u.a. die XXI LEGIO RAPAX über die Alpen, um gegen die Truppen Galbas zu kämpfen. Einige Historiker glauben heute (entgegen Tacitus “Historie”), der Aufstand der Helvetier sei von Caecina inszeniert worden, um die Kampfstärke der Rapax zu testen. Weite Teile Helvetiens (darunter die Siedlung Aquae Helveticae) sind zerstört worden. Der römische Tribun Lucius Calpurnius Fabatus ist historisch belegt. Archäologen fanden seinen Grabstein in Como, seiner Heimatstadt. Meine Protagonistin Silva ist eine fiktive Figur. Als sie auf den Tribun trifft, gerät ihre ganze Welt aus den Fugen und sie muss nicht nur um ihr Leben kämpfen…
Weitere Quo Vadis-Autoren bei diesem Projekt:
Angeline Bauer, Horst Bosetzky, Tania Douglas, Peter Erfurt, Viktor Glass, Rita Hausen, Alf Leue, Christiane Lind, Alessa Schmelzer, Susanne Wahl, Constanze Wilken, Eva Wodnarz-Eichner
Drei Tagesritte vom Bodensee
Historische Geschichten
Gmeiner Verlag 2011
420 Seiten
12,90 €
ISBN 978-3-8392-1216-5





